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Formalisierung: Sichtbar werden

Vom Versuch die Rolle der Sammlung zu ergründen und ein Netzwerk aufzubauen

2. Halbjahr 2021

Bei Trudi Gerig hatte die Sammlung fast ausschliesslich ein stilles Dasein wie so viele private Kunstsammlungen. Sie erfuhr im engsten Kreise höchste Wertschätzung. Im Gegensatz dazu sind Karin Gerig die Zugänglichkeit und das Wissen um die Sammlung ein grosses Anliegen, was eine gewisse Öffnung bedingt.

Handelt es sich bei diesem Wandel nur um eine Flause unserer Zeit von Facebook, Twitter, Instagram & Co, wo vieles schnell und schon fast endlos gepostet, kommentiert, geliked und gezeigt wird? Nein, die Anpassung der Rolle ist primär intrinsisch motiviert. Das Kunstprojekt ist eine Herzensangelegenheit und damit werden mit einer gewissen Veröffentlichung insbesondere zwei Chancen gesehen:  

Einerseits soll die Sammlung eine breite und vielseitige Wertschätzung im Sinne von "geteilte Freude ist doppelte Freude" erfahren. Die Sammlung kann nur durch das Umfeld von Menschen als solche erscheinen. Im dunklen Depot schlummernd entwickelt und erfährt sie keine Wertschätzung und kann handkehrum nicht wirken. Vergessen im Wissen der Menschen würde sie sich auf ihre physischen Eigenschaften (Hölzer bespannt mit bemalten Leinwänden usw.) reduzieren. Sie würde so weder uns noch Ihnen Freude, Irritation, Wohlgefühl, Kopfweh, Inspiration, Nachdenklichkeit etc. bereiten. Sie wäre sozusagen tot, eine physische Hülle ohne Gehalt. Das wäre schade. Schade um die Werke selbst, den Ideenreichtum, die Mühen und Arbeiten im Schaffensprozess der Künstler/innen und um die zeitintensive und leidenschaftliche Sammlertätigkeit. Wir wollen, dass die Sammlung "lebt" und nicht vergessen geht. Indem wir teilen, geht uns nichts verloren, die Sammlung jedoch, die einzelnen Werke und die Künstler/innen können Ihre Wertschätzung gewinnen!

Andererseits suchen und erhoffen wir uns mit der Veröffentlichung Kontakte im Netzwerk, Hilfestellungen von und Erfahrungsaustausche mit diesem, um in unserem Sammler-Dasein zu reifen und zu wachsen. Ein solcher kollaborativer Community-Ansatz für kollektive Problemlösungen ist wohl etwas neumodisch im Kunstsammlerumfeld. Die praktischen Anliegen von Privatsammlern/innen mit kleinem Budget sind im Internet noch nicht breit diskutiert und dokumentiert. Schnell gefunden werden beim Recherchieren v.a. Expertenseiten von renommierten Organisationen in der Kunstbranche. In erster Linie geht es um die Werbung fürs Produkt (eine Ausstellung, eine Auktion, eine Investmentberatung, eine Softwarelösung etc.). Das Produkt ist oft eingebettet in bzw. begleitet von interessanten Experten-Interviews und Fachartikeln. Die Themen sind allgemein gehalten (Kunst als Investment, Einstieg als Käufer in den Kunstmarkt, Sammlungsstrategien etc.) und dementsprechend sind auch die Ratschläge konzeptioneller Natur ("Kaufen Sie im ersten Jahr nichts", "Wichtig ist eine optimale Lagerung" etc.). Diese Informationen sind sehr hilfreich für den Einstieg in die Praxis des Sammelns. Bei detaillierterer Suche findet man zu diesen Themen teilweise spezifische Informationen auf Fachwebseiten, v.a. bei wissenschaftlichen Institutionen oder professionellen Organisationen. Diese behandeln in Artikeln Themen wie z.B. ideale Lagerbedingungen für Kunstgegenstände oder Inventarisierungsmethoden und enthalten dazu auch ganz konkrete Ratschläge und Lösungen. Diese richten sich aber meistens an professionelle Organisationen und grosse Sammler/innen mit entsprechender Infrastruktur und Ressourcen. Diese Fachbeiträge zeigen die optimalen Lösungen auf und sind auch für Sammler/innen mit kleinem Budget sehr hilfreich. So können diese selber Lösungen ableiten und entwickeln. Was wir also vermissen sind hands on und do it yourself Informationen, Ratschläge und Erfahrungsberichte. Mittels kollaborativem Community-Ansatz starten wir den Versuch, diese Lücke zumindest teilweise zu schliessen.

Wo Chancen sind, sind auch Risiken. Ein nicht zu unterschätzendes Risiko ist der Schnelligkeit und Endlosigkeit der Sozialen Medien zu verfallen und somit ungezielt und nicht lektoriert zu veröffentlichen. Die Qualität der Veröffentlichungen würde leiden und dies kann sich automatisch auf die Sammlung abfärben. Unsere Herzensangelegenheit würde nicht mehr als solche wahrgenommen werden. Ein zentraler Punkt ist auch die Balance mit der Community. Bei einem starken Ungleichgewicht besteht das Risiko unter Druck ungewollt und fraglich zu veröffentlichen. Dies kann fahrlässig sein und der Sammlung schaden. Eine bewusst geführte und sorgfältig lektorierte Veröffentlichung ist daher sinnvoll, um diese und andere Risiken zu reduzieren.

Die Idee der Website wurde im Verlaufe von 2021 entwickelt und umgesetzt. Anfangs 2022 wurde sie erstmals veröffentlicht. Wir nehmen uns Zeit für die Auswahl und Veröffentlichung von aktualisierten Informationen und neuen Beiträgen aus Gründen der oben erwähnten Risiken. In diesem Sinne bitten wir Sie liebe Besucher/innen um Verständnis, wenn etwas Zeit verstreicht, bis Sie Neues von uns lesen. Wir führen und pflegen die Webseite und die Sammlung privat aus Freude an der Kunst.

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